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Kirche, Gerechtigkeit und Liebe: Fragen an das Neue Testament

Auftakt der Reihe »Kirchenvisionen«

P. Professor Ansgar Wucherpfennig von der Jesuitenhochschule Frankfurt/St. Georgen legte am Mittwochabend, 6. November 2019, die biblischen Grundlagen für einen »Neustart« der katholischen Sexualmoral in einem mit jungen und älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern voll besetzten Karl-Rahner-Saal.

Der Abend war der Auftakt der Reihe »Kirchenvisionen«, in der im ersten Halbjahr 2020 weitere Persönlichkeiten aus Theologie, Kirche und Gesellschaft zu Wort kommen werden, die ihre Vision für eine Kirche der Zukunft darstellen. Die Reihe wird gemeinsam verantwortet von der Katholischen Akademie, der KHG Littenweiler/PH Freiburg, den Studienbegleitungen für Theologiestudierende im Institut für Pastorale Bildung, dem Diözesanrat in der Erzdiözese Freiburg und unterstützt von Pro Theo (vom Studium zum Beruf der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg) und findet an wechselnden Orten statt (ausführliches Programm unter www.kirche2030.de).  

P. Wucherpfennig zeigte in luziden exegetischen Analysen auf, dass das Neue Testament Quellen bereit hält für eine an wechselseitiger Verantwortung, Anerkennung, Gerechtigkeit und Freiheit ausgerichteten Sexualität, jenseits der Fragen von Homo- und Heterosexualität, die für eine künftige Sexualethik der Kirche wegweisend sein können. Gleichzeitig markierte er aber auch die kulturell bedingten Grenzen, die etwa den Apostel Paulus zu seiner Ablehnung von Homosexualität veranlasst haben. Kindesmissbrauch werde von den neutestamentlichen Quellen hingegen klar und eindeutig bekämpft, gerade in einer hellenistischen und patriarchalischen Umwelt, in der Pädophilie als pädagogisches Instrument gesellschaftlich anerkannt war. Das »Patriarchat« versteht Wucherpfennig dabei weniger als feministischen Kampfbegriff, sondern vielmehr als ein Analyse-Instrument, um aufzuzeigen, wie in antiken, aber auch heutigen Geschlechterbeziehungen asymmetrische Machtverhältnisse am Werk waren bzw. noch sind, die diese negativ beeinflussen. Diese gelte es in kirchlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen aufzuspüren und aufzuarbeiten.

Etwa 100 Teilnehmende, überwiegend jüngere Menschen, folgten interessiert den Ausführungen von P. Wucherpfennig und brachten sich anschließend aktiv in die Diskussion ein. Diese wurde durch multimediale Formen der Meinungsbildung und -äußerung angereichert und von Studierenden vorbereitet und geleitet. Dies wird auch bei den künftigen Abenden der Fall sein.

© Katholische Akademie, Freiburg

Ergebnisse der Fragerunde by Mentimeter

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