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„Eine priesterliche Gemeinschaft” (LG 11) – Würde und Berufung als Grundlage kirchlichen Lebens

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf setzt die Reihe „Kirchenvisionen“ fort

Kann man das Bischofsamt auf Zeit vergeben? Oder die Amtszeit an die Erfüllung klar definierter Vorgaben binden? Und wie muss die Kirche mit Menschen umgehen, die ihr durch Austritt den Rücken kehren? Es sind weitgehende Fragen, die beim zweiten Abend der Reihe „Kirchenvisionen“ angerissen wurden.

Bischof Peter Kohlgraf betonte, dass die Beziehung von Priestern und Gläubigen „durch ein Miteinander geprägt sein muss, nicht aber durch ein Gegeneinander“. Mit seinen Gedanken über die Zukunft des Priesteramts setzte der Mainzer Bischof die Reihe „Kirchenvisionen“ fort, eine Vortragsreihe der Katholischen Akademie und der Katholischen Hochschulgemeinde Littenweiler/PH.

Kohlgraf gründete seine Ausführungen auf die Konstitution „Lumen gentium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils, nach der „die Getauften durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist zu einem geistigen Haus und einem heiligen Priestertum geweiht“ sind. Mehr noch: Die „Gesamtheit der Gläubigen kann im Glauben nicht irren“, unterstreicht die Konstitution. Peter Kohlgraf empfiehlt, diese Gedanken zum „Volk Gottes“ weniger als Metapher denn als „Verkehrsmittel“ zu sehen, als Instrument zum Weiterdenken. Denn aus dem Begriff des „Volkes Gottes“ lasse sich viel ableiten: der hohe Wert der Gemeinschaft vor allem.

Keiner sollte die Erdenhaftung verlieren

Daraus aber ergeben sich nach Kohlgraf konkrete Folgerungen für die Führung in der Kirche. Gerade der „synodale Weg“ zeige ja, dass Bischöfe allein „ratlos“ seien, wie die Kirche weiter zu leiten sei. Das verpflichte sie dazu, neue Erkenntnisse zu gewinnen für ihr angestammtes Lehramt – und das gelinge nur durch Zuhören. Darin steckt denn in Kohlgrafs Augen auch die große Chance des „synodalen Wegs“: Denn als Ergebnis des zweijährigen Prozesses sollte man Verfahren eingeübt haben, um besser aufeinander zu hören.

„Der Bischof kann seine Verantwortung nur in Verbindung mit den Gläubigen wahrnehmen“, sagte er. Freilich: Wer sich unreflektiert
zum „Volk Gottes“ zähle, der könne auch schnell mal die Erdenhaftung verlieren und den „Sumpf der Sünde“ vergessen, mahnte Kohlgraf und warnte vor falschem Dünkel.

Der Gast aus Mainz stellte die unbequeme Frage, wie die Kirche mit denen umgehe, die ihr durch einen Austritt den Rücken zuwenden. Auch sie hätten sich ja damit nicht von der „Würde des Priestertums“ verabschiedet. Schnelle Antworten dazu gibt es nicht. Ebenso wenig wie zum Kohlgraf
Thema „viri probati“. Die Zulassung verheirateter Priester zu fordern, allein um die Aufrechterhaltung der sonntäglichen Messfeier an möglichst vielen Orten zu ermöglichen, das sieht der Mainzer Bischof als „Verengung“. Vielmehr müsse das Priesterbild in seiner gesamten Breite definiert werden. Und energisch wehrte er sich gegen Forderungen, die zölibatäre Lebensform der Priester ganz abzuschaffen. „Ich jedenfalls stehe zu meiner Entscheidung, zölibatär zu leben.“

Eschbach: Zöllibat kann zur Vereinsamung führen.

Es war wie ein kleines Abbild der großen Wirklichkeit: Auf den durchdachten theologischen Wurf über das Miteinander von Gläubigen und Priestern folgte im gut besetzten Saal der Thomas-Morus-Burse in Freiburg eine von den Studenten Monika Schröer und Clemens Peters moderierte Podiumsdiskussion. Stefan Eschbach, Mitglied unter anderem im Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Freiburg und beruflich als Unternehmensberater tätig, zog einen Vergleich zur Wirtschaft. Er warf die Frage auf, ob das Bischofsamt nicht auf Zeit vergeben werden sollte. Und er betonte negative Aspekte des zölibatären Lebens: die „Vereinsamung“ etwa, die viele ältere Pfarrer erführen. Aber auch die Überlastung, die bei nicht wenigen in Krankheiten münde. Peter Kohlgraf pflichtete bei. Und bekannte, dass er zuweilen ratlos sei, ob der Vehemenz der Diskussionen um Zöllibat und die Rolle der Frauen in der Kirche. „Wir dringen mit den Fragen nach Gott und Lebenssinn gar nicht mehr durch.“ Der Handlungsbedarf ist groß, jetzt, wenige Tage vor dem Start des „synodalen Wegs.“

Hier lesen Sie den kompletten Bericht in der Konradsblatt-Ausgabe Nr. 4, 2020 in pdf-Form.

© Text: Klaus Gaßner, Konradsblatt

Rückblick in Bildern

Einen Mitschnitt von der Veranstaltung können wir nicht bereitstellen.

Mehr Infos und alle Termine der Veranstaltungsreihe Kirchenvisionen #Kirche2030“ unter: www.kirche2030.de

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